Wilhelm Hartmann

Wilhelm Hartmann,

*1909 † 1992

Als gelernter Bauarbeiter wurde mein Großvater WILHELM HARTMANN aus Datterode bei Eschwege/Werra (Hessen) in der Organisation TODT dienstverpflichtet.

Zu Hause warteten Frau und 2 Kinder auf seine Rückkehr.

In der Org. TODT nahm er am Russlandfeldzug im Mittelabschnitt teil. Im Jahre 1942 machten sie in einem Dorf Quartier. Im Rahmen einer Trosskontrolle stieß er zwischen den Wagen auf einen Wehrmachtssoldaten, der sich gerade an einer jungen russischen Frau gewaltsam verdingen wollte.

Wie mein Großvater es schilderte, verprügelte er den Soldaten nach Strich und Faden. Für ca. 3 Wochen blieb sein Tross in dem Dorf. Aus Dankbarkeit für sein Eingreifen wurde er bei der Familie der jungen Frau untergebracht und erlebte hier Gastfreundschaft - gar FREUNDSCHAFT!

Die Verbindung zu der Familie verlor sich nach seiner Verlegung.

1944 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und hatte u.a. am Aufbau von Smolensk mitzuwirken. Er schilderte immer, dass "die Russen" eine andere Arbeitstechnik hatten, mit denen die "Deutschen" ihre Schwierigkeiten hatten. Dies führte natürlich zu Problemen. Es gelang ihm, den zuständigen Befehlshaber von ihrer Arbeitsweise (z.B. Nutzung von Flaschenzügen) zu überzeugen. Dazu wurde ein zurückgelassenes Wehrmachtslager requiriert. Die Arbeiten liefen fortan reibungslos, was ihm und seinen Kameraden eine gelegentliche Zigarette oder ein Stück Brot mehr einbrachte.

Ende 1945/Anfang 1946 wurde er von dem für seinen Arbeitsbereich zuständigen sowjetischen Unteroffizier oder Offizier angewiesen, zukünftig nicht mehr um Tabak zu bitten. Es gibt einen neuen Lagerkommandanten, da gehe es nicht mehr.

Als der neue Lagerkommandant sein Kommando antrat, mussten auch die deutschen Kriegsgefangenen antreten. Deren Front schritt der neue Kommandant mit seinem Gefolge ab. Als er meinen Großvater passierte streckte dieser seine Hand hervor und bat in den gelernten russischen Wörtern: "Kamerad, Tobakko?"

Noch bevor der sowjetische Offizier in irgendeiner Weise reagieren konnte, lief aus seinem Gefolge eine Offiziersfrau auf meinen Großvater zu, rief "Wilhelm, Wilhelm" und fiel ihm um den Hals.

Es war eben die junge Frau, die er Jahre zuvor vor der Vergewaltigung gerettet hatte. Sie war im Gefolge des neuen Lagerkommandanten die neue Lagerärztin. Es gelang ihr, meinen Großvater "aus gesundheitlichen Gründen als Kriegsgefangenen für untauglich" zu bescheinigen. So wurde er im Frühjahr 1946 offiziell aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen.

Er habe auch noch die Anschrift der Frau erhalten. Diese ging jedoch bei seiner medizinischen Versorgung verloren, so dass es zu keinem Kontakt mehr kam.

Über den Schriftsteller Theodor Otto Richard Plievier vermochte er sich aufgrund einer bestimmten Episode sehr zu ärgern.

Hat dieser Schriftsteller doch allgemein anerkannte Bücher geschrieben: 1945 konnte er seinen dokumentarischen Roman "Stalingrad" veröffentlichen, mit dem er anhand einzelner Schicksale an den Untergang der 6. Armee erinnerte. Auch dieses Werk wurde später erfolgreich als Fernsehfilm und Theaterstück dramatisiert. "Stalingrad" war auch der erste Teil seiner Trilogie über den Zweiten Weltkrieg. "Der große Krieg im Osten"; die Bände "Moskau" (1952) und "Berlin" (1954) folgten.

Diese Bücher hat sich mein Großvater gekauft. Nachdem er den Band MOSKAU gelesen hatte, war es jedoch aus mit der Vorliebe zu den als authentisch angepriesenen Büchern, die die Schrecken des Krieges so schonungslos darstellen, das Soldatenschicksal anhand wahrer Geschichten so abschreckend schildern.

Was war geschehen?

Ich selbst habe diese Bücher nicht gelesen, sondern gebe nur wieder, was mein Großvater zu berichten wusste. Im Band "Moskau" wird ein Rückzugsereignis geschildert. Deutsche Truppen gehen zurück und werden von russischen Truppen bedrängt. An einer Brücke stauen sich die Truppen. Die Brücke ist bereits zu Sprengung vorbereitet.

In der Rangfolge zurückzuführender Truppenteile wurde auch ein Tross aus LKW und Gespannen überführt, auf dem sich russische Kriegsgefangene befanden.

Nach den Schilderungen von meinem Großvater beschreibt Plievier in seinem Buch, dass deutsche Soldaten die Brücke vor herannahenden russischen Verbänden sprengen, obwohl sich der Tross mit den Kriegsgefangenen noch auf der Brücke befand. Dies prangert Plevier als barbarisches Verbrechen der Deutschen an!

Diese nach W. Hartmann Angaben gelogene Schilderung soll sich tatsächlich anders zugetragen haben. Er gehörte zum Tross, der für Ausbesserungsarbeiten dieser Holzbrücke nach Beschuss im Rahmen des Rückzuges dort in Stellung lag. Nach seiner Schilderung wurde eine Kolonne mit LKW und Gespannen, die hinreichend mit ROTKREUZ-Symbolen gekennzeichnet war, über die Brücke geführt. Hierauf befanden sich Sanitätspersonal, Verwundete und russische Kriegsgefangene und deutsche Soldaten als Begleitpersonal.

Während sich der Tross auf der Brücke befand, griffen sowjetische Schlachtflieger an und schossen Brücke und Tross trotz der ROTKREUZ-Ausweisung entgegen der Genfer Konvention (die Russland nicht unterzeichnet hatte) zusammen.

Was könnte Anlass für Plievier gewesen sein, ein solches wesentliches Detail zu verdrehen? Ich habe keine Ahnung, aber eine Meinung:

Nachfolgende Kurzbiografie gibt seinen Lebensweg und sicher auch Teil seiner politischen Einstellung wieder. Tatsächlich hat er an den Ereignissen, die er in seinen Büchern schildert, nicht teilgenommen. Da aber zumindest der Rahmen der o.g. Geschichte mit der Realität übereinstimmt, muss ihm diese jemand mitgeteilt haben. Auch passt so die Geschichte, wie er sie darstellte, in das allgemeine Weltbild. Die tatsächlichen Umstände allerdings wiederum nicht!

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete Plievier sich als Freiwilliger zur Kaiserlichen Marine. Die überwiegende Zeit verrichtete er seinen Dienst auf dem Hilfskreuzer "Wolf". Dass dieses Schiff über 400 Tage keinen Hafen anlief, ließ Plievier - nach eigenen Bekunden - endgültig zum Revolutionär werden. Im November 1918 war Plievier in Wilhelmshaven an Unruhen beteiligt, die sich schon bald zum bekannten Kieler Matrosenaufstand auswuchsen. Er fungierte dabei als Agitator, verfasste Flugblätter und redigierte Pamphlete der Revolutionäre. An der daraus entstandenen Novemberrevolution war Plievier nur noch am Rande beteiligt.

Nach Kriegsende verließ Plievier die kaiserliche Marine und gründete den anarchistischen "Verlag der Zwölf". Beeinflusst durch die Ideen und Theorien von Michael Bakunin und Friedrich Nietzsche befürwortete Plievier den Anarchismus des Einzelnen, verfolgte aber dabei kein exaktes politisches Ziel.

Noch im Jahr der Machtergreifung der Nazis emigrierte Plievier mit seiner Ehefrau in die Sowjetunion. Um keine Schwierigkeiten mit der stalinistischen Zensur zu bekommen, verlegte sich Plievier auf reine Abenteuererzählungen und enthielt sich jeglichen politischen Kommentars. 1933 änderte Plievier auch die Schreibweise seines Namens von "Plivier" auf "Plievier". Mit staatlicher Unterstützung konnte Plievier dann 1945 seinen dokumentarischen Roman "Stalingrad" veröffentlichen, mit dem er anhand einzelner Schicksale an den Untergang der 6. Armee erinnerte. Auch dieses Werk wurde später erfolgreich als Fernsehfilm und Theaterstück dramatisiert. "Stalingrad" war auch der erste Teil seiner Trilogie über den Zweiten Weltkrieg. "Der große Krieg im Osten"; die Bände "Moskau" (1952) und "Berlin" (1954) folgten.

Als die deutsche Armee Moskau belagerte, wurde Plievier zusammen mit anderen Immigranten und Ausländern nach Taschkent evakuiert. Während dieser Zeit machte er die Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Johannes R. Becher, mit dem er später nach Deutschland zurückkehrte.

Das Nationalkomitee Freies Deutschland nahm Plievier im September 1943 als ordentliches Mitglied auf. 1945 kam er mit der Roten Armee - in amtlicher Funktion - in die sowjetische Besatzungszone und bezog ein Büro in Weimar. Dort arbeitete Plievier zwei Jahre lang als Landtagsabgeordneter, Verlagsleiter und Vertreter des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Als solcher avancierte er auch bald zum Teilhaber des Gustav Kiepenheuer Verlags.

Da Plievier sich mit den sich ändernden politischen Verhältnissen nicht anfreunden konnte (oder wollte), verließ er Anfang 1948 den sowjetischen Einflussbereich und siedelte sich in der britischen Zone an, d.h. nach einer Vortragsreise durch Westdeutschland kehrte er nicht mehr zurück.

Seine Abkehr vom Kommunismus fasste Plievier eindrucksvoll in seiner Rede "Einige Bemerkungen über die Bedeutung der Freiheit", die er 1948 auf dem Schriftstellerkongress in Frankfurt am Main 1948 hielt, zusammen.

Quelle: wikipedia

Russland, Angehörige der Organisation Todt. Aufnahmezeit und -ort nicht bekannt.

Gruppe der Organisation Todt in Russland, aus einem heraus Fahrzeug aufgenommen. Aufnahmejahr und -ort unbekannt